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Kurz gesagt: Ein Lith-Print entsteht, wenn du PE- oder Barytpapier stark überbelichtest und dann in hochverdünntem, sulfitarmem Lith-Entwickler ganz langsam "ankriechen" lässt. Statt neutralem Grau bekommst du warme Mitteltöne, körnige Schwärzen und fast leuchtende Lichter. Kein Filter, kein Photoshop – nur Chemie, Zeit und Beobachtung. Stand: 27. September 2026.
Wenn du aus der normalen Schwarzweiß-Dunkelkammer kommst, fühlt sich der erste Lith-Abend seltsam an: Das Bild kommt nicht nach 60 Sekunden, sondern nach 5, 8, manchmal 12 Minuten. Du stehst im Rotlicht, schaukelst die Schale und wartest. Und dann kippt es plötzlich – aus flauem Rosa wird ein körniges Tiefschwarz mit karamellfarbenen Halbtönen. Genau dieser Moment ist der Grund, warum Lith seit Jahrzehnten Kult ist.
In diesem Guide erklären wir die Technik dahinter – die sogenannte infektiöse Entwicklung –, was du an Chemie und Papier wirklich brauchst, wie du mit Moersch Easylith sicher startest und wie du den Look mit Tonung haltbar und noch schöner machst.
Lith kommt ursprünglich aus der Druckvorstufe: Lith-Filme und -Entwickler waren für harte, grafische Strichvorlagen gebaut. Fotografen haben das System zweckentfremdet: stark verdünnt, mit wenig Sulfit und mit normalem Fotopapier statt Lith-Film ergibt es genau das Gegenteil von hart – weiche, warme, extrem formbare Prints mit charakteristischem Korn.
Normaler Entwickler arbeitet so: Jedes belichtete Silberkorn wird mehr oder weniger unabhängig entwickelt. Lith-Entwickler enthält sehr wenig Sulfit und viel Hydrochinon. Das führt zu einem Ketteneffekt:
Deshalb gilt: Belichte 2 bis 4 Blendenstufen mehr als normal, entwickle bei 20–24 °C in stark verdünnter Lösung und beobachte im schwachen Rotlicht. Profis ziehen den Print 10–15 Sekunden vor dem Wunschzustand, weil er im Stoppbad noch nachdunkelt.
Nicht jedes aktuelle Papier litht gut. Entscheidend ist der Silbersalz- und Gelatineaufbau. Generell gilt:
Merksatz aus der Dunkelkammer: Altes Papier litht oft besser als frisches. Teste immer erst einen Probestreifen vom selben Stapel. Papierchargen entscheiden über Farbe, Tempo und Korn – notiere dir Papier, Charge, Belichtung und Verdünnung.
Moersch Photochemie baut seit 1993 in Hürth Chemie, bei der das sichtbare Bild entscheidet – nicht das Datenblatt. Easylith 200 ml (zweikomponentig A+B) ist bewusst als gutmütiger Einstieg formuliert:
Du brauchst kein Lith-Film-Material und keine Spezialmaschine. Normales C-41-Labor ist hier übrigens raus – Lith ist reine Dunkelkammer-Handarbeit mit Rotlicht, Schalen, Stoppbad und Fixierer.
Praxis-Tipp: Entwickle nie nur ein Blatt. Lege dir drei gleich belichtete Blätter zurecht und ziehe sie im Abstand von 20–30 Sekunden. So triffst du den Kipp-Punkt garantiert einmal perfekt.
Lith-Prints sind wunderschön – aber ohne Tonung nicht archivfest. Das feinkörnige Lith-Silber ist empfindlich. Eine kurze Nachbehandlung schützt und vertieft die Farbe:
Das Ergebnis: Ein Print, der nicht nur anders aussieht als jeder Inkjet, sondern auch in 30 Jahren noch so aussieht – bei richtiger Verarbeitung und Lagerung.
Lith verzeiht viel, aber kein leeres Negativ. Du brauchst Zeichnung in Lichtern und Schatten. Staining-Entwickler sind hier ideal, weil sie neben Silber zusätzlich einen bräunlichen Farbschleier (Stain) aufbauen, der beim Vergrößern wie eine eingebaute Maske wirkt: schärferes Korn, bessere Tontrennung, offenere Schatten.
Genau dafür ist Moersch Tanol Pyro 48 auf Pyrogallol-Basis gebaut: Feinkorn, hohe Schärfe durch Kanteneffekte und Stain, der sich auch für Edeldruck-Verfahren eignet. Wenn du ohnehin schon analog fotografierst, entwickle deinen nächsten 35-mm- oder 120er-Film einmal in Tanol und vergrößere danach einmal normal und einmal lith – du wirst den Unterschied sofort sehen.
Wenn du Edeldruck schnuppern willst, ohne gleich Glasplatten zu gießen: Das Moersch SE Silber-POP / Lobotype Set ist ein Ansatz für wenige Euro, mit dem du das Prinzip Silber auf Papier im Kleinformat verstehst – perfekt als nächster Schritt nach deinen ersten Liths.
Lith belohnt Geduld. Du brauchst kein Großlabor: ein Vergrößerer, drei Schalen, ein Thermometer, ein Rotlicht, ein Pack Papier und einen gutmütigen Entwickler. Setze Easylith eher zu dünn als zu dick an, belichte großzügig, ziehe mutig früh – und tone, was du behalten willst.
Unser Vorschlag für heute Abend: ein kontrastreiches Negativ, drei Blatt gleiches Papier, eine frische Schale Easylith bei 22 °C. Das zweite Blatt wird fast immer das beste. Und genau dafür machst du analog – für diesen einen Print, den kein Preset der Welt nachbaut.
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